Aus dem täglichen Leben eines Studenten

 



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Falsche Erwartungen

Vor ein paar Monaten hab ich es mal endlich geschafft "Der Name der Rose" von Umberto Eco zu lesen - Als Film schon sehr faszinierend, die Buchvorlage übertraf den Film dann aber nochmals um Einiges! Diese Detailverliebtheit und der damit verbundene historische Hintergrund suchen Ihresgleichen. Ich wurde von Freunden zwar gewarnt, dass die theologischen Diskurse in dem Buch sehr hart sind, was mich aber als Historiker, der sich sehr viel mit dem Mittelalter auseinandersetzt, doch sehr gefesselt hat.

Im Taumel dieser Eco-Bewunderung griff ich dann vor kurzem zu einem anderen Buch dieses, in meinen Augen, kongenialen Schriftstellers: "Baudolino". Um es kurz und schmerzhaft zu machen: Ich bin sehr enttäuscht!

Zwar beweist Eco hier wieder viel Liebe zum Detail und historische Fakten sind wieder einmal sauber recherchiert und mit einem Teil fiktiven aber spannungsmäßig sehr überzeugenden Elementen angereichert. Dies gelingt aber nur, bis die Figur Friedrich Barbarossas aus dem Leben scheidet. In diesem Moment entwickelt sich das Buch zu einem Desaster, was stellenweise so wirkt, als hätte ein 10-jähriger sämtliche Fantasien des Mittelalters einfach nur aufreihen wollen.

Sicherlich war dies von Eco so gedacht, spiegelt es doch auch das Lügengebilde der Hauptfigur Baudolino wieder, dennoch kann es nicht seine Absicht gewesen sein, damit jeden ernsthaften Leser zu vergraulen.

Zur Handlung: Baudolino ist ein armer Bauernjunge aus Italien, der eines Tages auf Friedrich Barbarossa stößt und diesem mit einer Vision den Sieg einer Belagerung schenkt. Daraufhin wird Baudolino von ebendiesem adoptiert und genießt eine ausgezeichnete Ausbildung, die unter dem Stern steht, einen Nachweis für das Reich von Johannes dem Priester zu finden. Als Barbarossa Probleme mit seinem eigenen Reich und dem Heiligen Stuhl bekommt, wird Johannes der Priester zur Grundlage der besseren Legitimation von Barbarossa, wenn dieser, ob fiktiv oder nicht, Barbarossa als Kaiser anerkennt.

Das ist eine solide Grundhandlung und entbehrt auch nicht der historischen Fakten, da Kaiser zu jener Zeit immer wieder versucht haben, mit hanebüchenen Akten ihren Machtanspruch zu festigen. Problematisch wird es erst in dem Moment, wo sich Baudolino in eine Traumwelt aufmacht und eine Fantasie neben der nächsten aufgereiht wird. Genau dann wird das Buch langweilig und man fragt sich in welchem Vormittagsprogramm für Kinder man gelandet ist.

Ich muss gestehen, dass ich es noch nicht zu Ende gelesen habe, aber ich auch nicht weiß, ob ich das jemals tun werde, da ich die Befürchtung habe, dass sich dieses Traumkonstrukt bis zum Ende des Buches durchzieht. Stattdessen warten noch viele andere Projekte auf mich, zum Beispiel Tolkiens "Lord of the Rings" mal endlich auf Englisch zu lesen. Da weiß ich wenigstens, dass meine Zeit nicht verschwendet ist.

In diesem Sinne wünsche ich eine schöne Zukunft!

1.9.08 08:03
 


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